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Nr. 1 Feistritzklamm / Herberstein

Größe: 124,8 ha

Bezirke des Natura 2000-Gebietes: Hartberg-Fürstenfeld

Gemeinden des Natura 2000-Gebietes: Stubenberg, Feistritztal

Feistritzklamm/Herberstein – Europaschutzgebiet Nummer 1

Die Feistritzklamm bei Herberstein wurde als Natura 2000-Gebiet sowohl nach der Flora-Fauna-Habitat- als auch nach der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen und im Jahr 2002 als Nummer 1 der steirischen Europaschutzgebiete (Natura 2000-Schutzgebiete) gesetzlich verordnet. Mit einer Fläche von 116 Hektar ist dieses Europaschutzgebiet flächenmäßig zwar recht klein, weist in Relation dazu jedoch eine außergewöhnliche Vielfalt an Lebensraumtypen sowie Tier- und Pflanzenarten auf und zählt deshalb zu den wertvollsten Naturgebieten unseres Landes!

Blick über Klamm und Schloss ins AlpenvorlandDie Feistritzklamm bei Herberstein

Am Rand der Alpen, geteilt von der Feistritz

Bei der, zwischen Stubenberg am See und Sankt Johann bei Herberstein liegenden, Klamm handelt es sich um ein steil abfallendes Durchbruchstal der Feistritz durch das von Gneisen und Schiefern aufgebaute Kulmmassiv in das oststeirische Alpenvorland. Die Feistritz durchschneidet dabei den Kulm von West nach Ost und bildet aufgrund unterschiedlicher Zusammensetzungen des Gesteines zahlreiche Talkurven bzw. umläuft an einer Stelle einen Felshang sogar an drei Seiten. An der letzt genannten exponierten Stelle thront über dem Tal das Schloss Herberstein, welches in der Mitte des 13 Jahrhunderts errichtet wurde.

Feistritz in der HerbersteinklammSchloss Herberstein

Vom Wildgatter zum Naturjuwel

Die Geschichte des Schutzgebietes ist eng mit der Geschichte der Familie Herberstein verknüpft. Mitte des 17. Jahrhunderts erkannte Johann Maximilian 1., Freiherr zu Herberstein, dass die steilen Hänge der Feistritzklamm für eine herkömmliche Bewirtschaftung kaum zu gebrauchen waren und nutzte sie stattdessen zur Haltung von Wildtieren. Als Erster importierte er Damwild, eine im asiatischen Raum heimische Hirschart, aus Italien und legte damit den Grundstein für den heutigen Tierpark. Seit dieser Zeit wurde die Klamm nicht forstlich, sondern zur Tierhaltung genutzt und war für die Öffentlichkeit gar nicht, beziehungsweise in jüngster Zeit nur eingeschränkt, begehbar, wodurch sich die Tier- und Pflanzenwelt ungestört entfalten konnte.

Foto TrummerDurch Beweidung entstandener Halbtrockenrasen

Das gewisse Etwas

Die Landschaft der Klamm wird von ausgedehnten Wäldern, Felshängen sowie alten Baumriesen bestimmt. Das Gebiet kann mit einem ungewöhnlich hohen Anteil an Alt- und Totholz aufwarten und auch der Umstand, dass der Altholzbestand stellenweise sehr sonnenexponiert ist und einen parkähnlichen Charakter aufweist, macht die Herbersteinklamm zu etwas Besonderem. Die exponiert stehenden alten Baumriesen können sich stark erwärmen und stellen einen unschätzbar wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tierarten dar. Dies beispielsweise im Fall der alten Eichen, für den Großen Eichenbock, einer Käferart, die hier ihr einziges Vorkommen in der Steiermark hat. Entstehen konnte diese Lebensraumform einerseits durch Verzicht auf forstliche Nutzung und andererseits durch extensive Beweidung durch Haus- und Wildtiere. Die sonnenbeschienenen Südhänge ermöglichen das Leben stark wärmebedürftiger Arten, während sich an den nordexponierten Schatthängen sogar eiszeitliche Reliktarten des Hochgebirges halten konnten.

Großer EichenbockStehendes Totholz

Das Käferparadies

Die abwechslungsreiche Abfolge der verschiedensten Lebensräume sowie der hohe Totholzanteil machen das Gebiet zu einem Paradies für Käfer. Große Verdienste um die Erforschung des Gebietes kommen Dir. Erwin Holzer zu. Aufgrund seiner Arbeiten sind aus dem Gebiet weit über 1900 Käferarten bekannt, was es zu dem, soweit der Wissenschaft bekannt, käferreichstem Gebiet Mitteleuropas macht. Die besondere Bedeutung des Gebietes für die Tiergruppe der Käfer wird u. a. dadurch deutlich, dass von den in der Steiermark vorkommenden fünf EU-geschützten Arten insgesamt vier, nämlich der Große Eichenbock, der Hirschkäfer, der Eremit & der Scharlachkäfer im Gebiet vorkommen.

Erwin Holzer und Kollege Gernot Kunz Hirschkäfer
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